Mating Season

Mating Season
© Georg Klüver-Pfandtner

»Es

   reicht!«

Wie weit habe ich das Bild, dass ich nach Außen vermittle, im Griff? Wieviel Anstrengung investiere ich, um dieses Bild zu formen? Kann ich die Zuschreibungen zu meiner Erscheinung außerhalb der gängigen Erwartungs- und Betrachtungsroutinen beeinflussen? Kann ich sie sogar kontrollieren, ohne meinen Mund aufzumachen? In welche Ordnungssysteme wird mein Körper eingereiht, noch bevor ich mich überhaupt bewege? 

Mating Season
© Follow the Rabbit

Mating Season spielt mit gewohnten und ungewohnten Bildern und den Blicken des Publikums – zumindest solange es die Performerin möchte, die sich in ein Spannungsfeld zwischen Erotik, Abstraktion und Unterhaltung begibt. Das inszenierte Abstreifen und Anlegen von Kleidungsstücken verhandelt und reflektiert die Führung des Blicks. Erotik, Kontrolle, Blickentzug – wer blickt auf wen? Wer zeigt sich wem? Was will ich zeigen? Wie soll es gesehen werden? Es geht um den Versuch, die Narrative, die man mit dem Körper der Darstellerin verbindet, zu kontrollieren, umzudeuten, zu überwinden, auszuweiten und mit ihnen zu spielen.

Mi., 22.09.,
Fr., 24.09. –  So., 26.09.,
Do., 30.09. – Sa., 02.10. 19:00
Artist Talks: 26.09 und 30.09.
ORT: Kunsthalle Graz, Konrad-von-Hötzendorf-Straße 42a, 8020 Graz
unter Berücksichtigung der aktuellen Covid-19-Bestimmungen
Ticketteer

Dauer ca. 60 Minuten

Mating Season
© Georg Klüver-Pfandtner

Performance: Nadja Brachvogel, Victoria Fux, Georg Klüver-Pfandtner
Konzept: Nadja Brachvogel und Christina Lederhaas
Entwicklung: Team
Raum und Kostüm: Georg Klüver-Pfandtner
Regie: Christina Lederhaas
Dramaturgie: Victoria Fux
Technik: Lisa Raschhofer

Eine Produktion von Follow the Rabbit
koproduziert/coproduced by steirischer herbst ’21

Pressestimmen

»Die Performance als Balzgesang
Follow the Rabbit feiert die Präsenz des – nackten – Körpers
„Mating Season“ nennt sich die Performance, die Follow the Rabbit als Kooperationsbeitrag für den steirischen herbst entwickelt haben. Balzzeit also, und das ist keine bloße Koketterie. Tatsächlich wird das Publikum hier auf ungewöhnliche Weise umworben, gefesselt, überrascht. Und ja, es geht dabei auch und vor allem um den nackten Körper der Schauspielerin Nadja Brachvogel.
Eine Folge theatralischer Bilder wird als Versuchsanordnung zur Frage präsentiert, was passiert, wenn sich eine Performerin vor Publikum entblößt, weil es ihr Freude macht. Leichtfüßig und voller Humor versucht sich Brachvogel etwa in eine lebensgroß auf Leinwand gebannte Bacchus-Szene zu integrieren, denkt sie den Monroe-Effekt zu Ende oder zeigt Striptease rewind: als erotische Kunst, sich anzuziehen.
Dafür haben Follow the Rabbit eine Art All-Star-Ensemble der Grazer Performance-Szene vereint: Christina Lederhaas hat Regie geführt, Georg Klüver-Pfandtner zeichnet für die ebenso kluge wie schrille Ausstattung verantwortlich und assistiert gemeinsam mit Victoria Fux (Dramaturgie) auch auf der Bühne. Ein wundervoller Abend über bloßgelegte Schönheit, die sich sachte, aber sicher allen Stereotypen weiblicher Erotik entzieht.«

Kleine Zeitung, 24. September 2021

 

»Follow the Rabbit lädt in der Kunsthalle Graz zur Performance „Mating Season“
Der gelenkte Blick des Betrachters
Wann wird das Betrachten zu Voyeurismus, wann das Ausziehen zum Exhibitionismus? In der mit dem steirischen Herbst koproduzierten Performance „Mating Season“ stellt Nadja Brachvogel diese und weitere Fragen zur Diskussion. Konkrete Antworten darauf lassen sich freilich nicht finden – und das ist spannend.

Der nackte weibliche Körper im Kontext der Kunst, aber auch in Bezug auf Schönheitsideale steht im Mittelpunkt dieser Performance, für die Nadja Brachvogel in einem gemeinsam mit Christina Lederhaas entwickelten Konzept die Hüllen fallen lässt. Und dabei geht es bei weitem nicht nur um Kleidung. Vielmehr wird hier auf zahlreichen Ebenen und noch mehr Subebenen erkundet, was den Blick des Betrachters lenkt, wiee man in diesem erscheinen will, inwieweit man diesen Eindruck beeinflussen kann.
Es geht aber auch um ein Gefühl für den eigenen Körper, um eigene Wünsche und Begehrlichkeiten, um Schönheitsbegriffe, um ein Zusammenspiel von Voyeurismus und Exhibitionismus, um ein Sich-Darstellen und um die Wahrnehmung.
Das alles vereint Brachvogel, unterstützt von Georg Klüver-Pfandtner und Victoria Fux, in einem etwa einstündigen, meist wortlosen Exkurs. Bis auf „das reicht“ sagt sie nichts und selbst diese zwei Worte öffnen neue Perspektiven. In unterschiedlichen Settings erfolgt hier mehr und mehr eine Befreiung, eine Emanzipation von Erwartungshaltungen, die nicht nur mit feinem Humor unterhalten, sondern mit ihrer Kraft auch viel Mut machen.
Zu sehen ist diese eindrucksvolle Produktion noch bis zum 30. September in der Grazer Kunsthalle.«

Kronen Zeitung, 24. September 2021