Mongos

von Sergej Gößner
für Jugendliche ab 14 Jahren
Jonas Werling und Nuri Yildiz
© Follow the Rabbit

– Sie küsst mich, schraubt an mir rum, als wär ich n beschissener Volkswagen.
– Und?
– Nix halt. Dann kann man nicht mal wegrennen.
– Ich hätte einen Anfall vorgetäuscht.
– Ich bin kein Epileptiker!
– Das weiß sie doch nicht!

»STELLA18-Darstellender.Kunst.Preis für junges Publikum«

Auszeichnung als beste österreichische Jugendtheaterproduktion  zur Jurybegründung
Nominierungen für Jonas Werling und Nuri Yildiz als beste Darsteller

Zwei, wie sie unterschiedlicher nicht sein können: Francis, der besonnene Poet (Multiple Sklerose) und Ikarus, der Checker, der sein Herz auf der Zunge trägt (Querschnitts- lähmung). Trotzdem – oder vielleicht deshalb – sind sie beste Freunde, machen, was man so macht als Jugendlicher, der in einer Rehaklinik wohnt: labern. Auch gelegentlich mal irgendeinen Mist machen, aber vor allem wird gelabert. Sie teilen sich ein Zimmer, reden über alles mögliche, Saufen, Autos, Mädchen aufreißen, oft unterbrochen von Lachkrämpfen. Eine perfekte Freundschaft, möchte man meinen. Doch irgendwas stimmt nicht. Dann taucht eines Tages Jasmin auf (Reitunfall), und binnen kürzester Zeit eskaliert alles – aber nicht so, wie man zunächst vermuten möchte…

Eine Geschichte über zwei liebenswerte Aufschneider, Rabauken, Poser, die an der Schwelle zum Erwachsenwerden über ihr brüchiges Image stolpern; voller Humor und Tiefe, erzählt in einer einnehmend direkten und natürlichen Sprache.

Zum Autor

Sergej Gößner, geboren 1988 in Ludwigshafen am Rhein, beendete 2010 seine Schauspielausbildung an der Schauspielschule Mainz. Sein erstes Engagement führte ihn an das Junge Staatstheater Wiesbaden. Mit Beginn der Saison 2012|13 wechselte er ans Tiroler Landestheater Innsbruck. Dort war er unter anderem in dem mit dem STELLA-Award 2013 als „Herausragende Produktion für Jugendliche“ ausgezeichneten Monolog „Krieg. Stell Dir vor, er wäre hier zu sehen“. Seit der Spielzeit 2017/18 ist er fest im Ensemble des Jungen Schauspielhaus Hamburg, zuvor war er u. a. am Theater Pforzheim und am Tiroler Landestheater Innsbruck engagiert.
Sein Stück Mongos war 2016 für den Autorenpreis des Heidelberger Stückemarkts nominiert.

Jonas Werling und Nuri Yildiz
© Follow the Rabbit
Sergej Gößner
Autor Sergej Gößner | © Christine Tritschler

Vorstellungen von „Mongos“

24/11/2018 von 18:00 - 19:15 im TaO!-Theater am Ortweinplatz, Graz

26/11/2018 - 28/11/2018 von 9:00 - 10:15 im TaO!-Theater am Ortweinplatz, Graz

Nuri Yildiz und Jonas Werling
©BeaHenzl_WUK

Mit Nuri Yildiz und Jonas Werling
Ausstattung: Linda Johnke
Dramaturgie: Inka Neubert
Produktionsleitung: Sylvia Münzer
Regie: Martin Brachvogel

Dauer: 70 Minuten

In Kooperation mit dem theater/haus G7 Mannheim.

Österreichische Erstaufführung.

Erschienen im Rowohlt-Verlag.

Pressestimmen

»Witzig, berührend, großartig: Der Übermütige und der Sanfte im Stück „Mongos“

Der eine sitzt im Rollstuhl, der andere hat eine besonders schlimme Form von multipler Sklerose. Die beiden lernen sich in der Reha-Klinik kennen, nerven sich gewaltig und werden trotzdem beste Freunde. Ikarus im Rollstuhl ist der Draufgänger, der immerzu über Frauen und Sex reden möchte, Francis ist mehr von der Sorte kluger Poet. Ein bisschen erinnern die zwei an die Protagonisten aus Wolfgang Herrndorfs „Tschick“. Auch sie durchleben eine Art von Coming of Age, zwar nicht im Auto, dafür aber mit Krücken und im Rolli. Kaum zu glauben, dass „Mongos“ das erste Theaterstück des Schauspielers Sergej Gößner ist. So witzig, berührend, großartig ist der Text. Die Theatergruppe Follow the Rabbit hat das Zwei-Personen-Stück reduziert inszeniert (Regie: Martin Brachvogel). Nuri Yildiz und Jonas Werling schlüpfen vor aller Augen in die Rollen der „Krüppel“, die sie spielen. Sie stellen diese Behinderungen aber niemals aus, obwohl die körperlichen Einschränkungen ein wichtiges Thema sind. Die Bühne ist leer, manchmal gibt es Musik aus einem MP3-Player, den die Schauspieler selbst bedienen. Mehr ist da nicht, und mehr braucht es auch nicht, da Yildiz und Werling die zwei pubertären Burschen mit einer solch großen Präsenz spielen. Werling ist zwischendurch auch noch der Psychologe, der Oberarzt und Jasmin, die sich Ikarus verliebt, trotzdem bleibt er dabei immer auch Francis. Eine der schönsten Inszenierungen des Jahres.«
Der Falter 27.06.2018

»Voll Respect – und das scheinbar respektlos

„Mongos“, ein junges Erfolgsstück eines jungen Theatermachers nun auch in Österreich. Vorerst im Wiener WuK, dann im Grazer TaO!
Zwei Schauspieler stehen zunächst seitlich vom Publikum, kommen auf die Bühne und schlüpfen vor aller Augen erst in ihre Rollen. Jugendliche. Pubertierende. Burschen. Goschert der eine, voll der Macker – zumindest will er sich so geben, sähe sich auch selbst gern so. Manchmal aufbrausend. Ohne Ansatz. Eher zurückhaltend, schüchtern, verträumt, ja poetisch der andere.

Aber sie sind nun einmal hier zusammen. Auf engem Raum. Zusammengeschweißt durch Schicksalsschläge, von denen der Name Ikarus noch nicht der allerschlimmste ist. Der ist querschnittgelähmt von TH 10 – von zwischen Brust- und Bauchmuskeln abwärts. Francis, der spätere Kumpel, hat Multiple Sklerose, geht mit Krücken.«

 

Selbstironisch
Ihre Behinderungen haben sie hier in einer Rehabilitationsklinik zusammengebracht, sind klarerweise nicht zuletzt deswegen Gesprächsthema. Und mit dem gehen sie – wie es echt Betroffene oft wirklich tun, scheinbar respektlos, bitterböse, schwarzhumorig um. Weshalb der Stücktitel „Mongos“ (das derzeit in gut einem halben Dutzend deutschsprachiger Theater läuft) ziemlich zutreffend ist – so wie sich in Wien vor mehr als einem Vierteljahrhundert eine Gruppe von Satirikern mit verschiedenen Behinderungen „Krüppelkabarett“ nannte. Genau dadurch, in der für manche mitunter verstörend radikalen Ablehnung von Pseudo-Mitgefühl, das eher ins Mitleid abgleitet, zeigen sie einander – und dem Publikum wie Respekt geht: Sich als Menschen zu behandeln, genauso wie wenn sie keine Behinderung hätten. Nicht in Watte packen, also auch benennen, vielmehr sogar beschimpfen, wenn sich einer als A..-loch aufführt…

Vor diesem Hintergrund spielt sich in diesen knapp eineinviertel Stunden des Stücks „Mongos“ von Sergej Gößner vor allem die Annäherung zweier völlig unterschiedlicher Typen ab: Von der Ablehnung des Zwangsgenossen – es gibt anfangs fast keine echte gemeinsame Gesprächsbasis – bis hin zur Freundschaft. Derzeit ist eine Version des Stücks in einer Koproduktion der Grazer Gruppe „Follow the Rabbit“ mit dem Theaterhaus TiG7 Mannheim in Österreich zu sehen – derzeit im Wiener Werkstätten- und Kulturhaus (WuK), demnächst im Grazer Theater am Ortweinplatz (taO!).

Gefühle was?
Gefühle – auch da klafft’s lange auseinander. Ach wozu sollen die gut sein, lehnt Ikarus (sehr überzeugend Nuri Yıldız) die ab. Macho. Frauen sind in seinem Hirn und in seinen Sprüchen nichts als Sexualobjekte. Schüchtern im Gespräch, tiefgreifend gefühlvoll in seinen aufgenommenen Gedichten hingegen Francis (voll glaubhaft Jonas Werling). Und dann taucht Jasmin auf. In die verknallt sich Ikarus – und wird sanfter. Zunächst nur vorübergehend. Dauerhaft will – oder kann – er noch nicht von seinem schon eingeschliffenen Männlichkeitswahn lassen. Als er droht, allein in der Reha-Klinik zurückzubleiben, bereut er kurz, will alles gut machen, nochmals von vorn anfangen, um wieder und nochmals ins alte Fahrwasser zu kippen, bis … – schau und erlebe dieses Stück selbst mit!«
kurier 27.05.2018

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Herausragende Produktion für Jugendliche – Begründung der Jury

»Ausgehend von einem großartigen und witzigen Text schafft es “Mongos” mit der Reduktion auf hochklassiges Sprechtheater eine leise, unaufgeregte und zugleich berührende und fesselnde Coming-of-Age-Geschichte rund um eine ungleiche Freundschaft auf die Bühne zu bringen. Die Behinderungen zweier Jugendlicher, die Ausgangspunkt für alles sind, was auf der Bühne geschieht, treten in den Hintergrund und stehen doch immer auch für die Schwierigkeiten, die Jugend und Leben allgemein ausmacht. All das ist dem Publikum bekannt, und doch schafft es “Mongos” eindringlich, auf Augenhöhe und ohne falschen Pathos zu vermitteln, dass wir alle Mongos sind. Wir sind alle Menschen mit den gleichen Problemen«

Nuri Yildiz und Jonas Werling
©Follow the Rabbit