Was das Nashorn sah,
als es auf die andere Seite des Zauns schaute

von Jens Raschke
für Kinder ab zehn Jahren
Was das Nashorn sah... ab 10 Jahren
Foto: Peter Manninger

»Vielleicht geht es uns tatsächlich nichts an, was auf der anderen Seite des Zauns passiert.«

Familie Pavian, das Mufflonpaar und das Murmeltiermädchen hausen zufrieden in einem kleinen Zoo – bis ihnen eines Tages ein Neuzugang das Leben schwer macht. Der frisch eingetroffene Bär steckt seine empfindliche Nase in alle möglichen Dinge, die ihn nichts angehen. Er beschwert sich über den Gestank, will wissen, was es mit den Zebrawesen und den Gestiefelten jenseits des Zauns auf sich hat, und dann bleibt auch noch die Frage nach dem Nashorn und was es sah, als es auf die andere Seite des Zauns schaute. Vor allem Herr Pavian beschwert sich lauthals über den mangelnden Anpassungswillen des Neuankömmlings. Als der Bär den Dingen auf den Grund geht, überschlagen sich die Ereignisse…

1994 wurden Teile des verschütteten Zoos im Konzentrationslager Buchenwald freigelegt und sind heute wieder zugänglich. Jens Raschke schafft mit seinem Stück (Deutscher Kindertheaterpreis 2014) eine neue, zeitgemäße Form der Auseinandersetzung mit dieser dunklen Seite unserer Vergangenheit – jenseits der Betroffenheitskultur: fesselnd, poetisch und auch humoristisch. Im Vordergrund stehen allgemeingültige menschliche Verhaltensmuster, so dass man sich am Ende fragen muss: Was bin ich – Bär oder Pavian?

Was das Nashorn sah... ab 10 Jahren
Foto: Bernhard Bauer

Vorstellungen von „Was das Nashorn sah…“

Keine Veranstaltungen
Was das Nashorn sah... ab 10 Jahren
Foto: Bernhard Bauer

Mit Rudi Widerhofer, Stefan Maaß, Nadja Brachvogel und Daniel Doujenis
Ausstattung: Bernhard Bauer
Musik: Robert Lepenik
Dramaturgie: Verena Kiegerl
Produktionsleitung: Christina Moser
Regieassistenz: Nadja Pirringer
Ausstattungsassistenz: Aeneas Bernhardt
Regie: Martin Brachvogel

Dauer: 75 Minuten

In Kooperation mit dem Vorarlberger Landestheater.

Erschienen im Theaterstückverlag München.

Nominiert für den »STELLA« 2016 als beste Ensembleleistung.

Pressestimmen

»Im Grazer TaO!: Parabel für alle (ab 10)
Der Bär schaut hin!
Haben Sie gewusst, dass sich die Nazis im KZ Buchenwald zur Erholung einen Zoo eingerichtet hatten? Im Stück „Was das Nashorn sah…“ stellt Jens Raschke die Tiere dieses Zoos in den Mittelpunkt und schafft eine grandiose Parabel über kollektives Wegsehen. Die Gruppe „Follow the Rabbit“ zeigt es bis 6. Juli in Graz.
Pavianfamilie, Mufflonpaar und Murmeltiermädchen haben gelernt, ihre Lebensumstände zu akzeptieren: Den Kindern der „Gestiefelten“ bieten sie eine Show, und das Schicksal der „Gestreiften“, die durch einen Zaun von ihnen getrennt sind, hinterfragen sie genauso wenig, wie den unsäglichen Gestank, der aus dem Schornstein kommt.
Was es bedeutet, sich gegen diese Regeln aufzulehnen, wissen sie, seit das neugierige Nashorn tot im Gehege lag. Doch dann kommt ein Bär in den Zoo und weigert sich, den Status Quo zu akzeptieren. Er blickt unentwegt über den Zaun, nimmt den aussichtslosen Kampf mit den „Gestiefelten“ auf.
Trotz all der historischen Schwere hat der Text viele Momente des Humors und der Poesie, die das Stück umso eindringlicher machen. Martin Brachvogel inszeniert die Parabel übers kollektive Wegsehen, dieses Plädoyer für eine aktive Menschlichkeit auf einer schlichten Bühne, rückt die grandiosen Darsteller (Nadja Brachvogel, Daniel Doujenis, Stefan Maaß, Rudi Widerhofer) ins Zentrum.
Das Resultat ist ein Theatererlebnis, das so gut und wichtig ist, dass es schwer ist, beim Lob nicht im Klischee zu landen. Also sei es hiermit benutzt: Wenn Sie Kinder haben, gehen Sie mit ihnen in das Stück. Und wenn Sie keine haben, gehen Sie trotzdem hin!«
Kronen Zeitung

»Was passiert, wenn einer nicht wegsehen kann
„Was das Nashorn sah“ zeigt exemplarisch, wie man Kindern vom Holocaust erzählt.
GRAZ. Eines vorweg: Den Zoo im KZ Buchenwald hat es wirklich gegeben. Als Erholungsort für die SS-Männer. Autor Jens Raschke nutzt diesen Zoo in seinem preisgekrönten Stück „Was das Nashorn sah, als es auf die andere Seite des Zauns schaute“, um sich der Frage zu stellen, wie man Kindern vom Holocaust erzählen kann. Aus der Perspektive der Tiere nämlich, die sich möglichst wenig Gedanken über die „Gestiefelten“ und die „Gestreiften“ machen. Als eines Tages ein junger Bär angeliefert wird, dem es nicht gelingt, den Gestank aus dem Schornstein und das Fehlen der Vögel rund um das Lager zu ignorieren, zerreißt das sorgfältig konstruierte Idyll der alteingesessenen Zoobewohner um Pavian, Mufflon und ein vergessliches Murmeltiermädchen.
Vier großartige Schauspieler (Rudi Widerhofer, Stefan Maaß, Nadja Brachvogel, Daniel Doujenis) auf vier Barhockern genügen in Martin Brachvogels fesselnder, anfangs sogar durchaus burlesker Inszenierung, um ohne großen Betroffenheitsgestus von Absurdität und Grauen und von den Grenzen der Anpassung zu erzählen. Großes Theater für Menschen ab 10.«
Kleine Zeitung

»Das Grauen auf eine sensible Art und Weise näherbringen
Ein Kindertheaterstück, das unterhaltsam ist und zum Nachdenken anregt.

DORNBIRN.
(VN-tag) „Was das Nashorn sah, als es auf die andere Seite des Zauns schaute“, eine Koproduktion des Vorarlberger Landestheaters mit Follow the Rabbit, behandelt ein ernstes Thema auf unterhaltsame, lehrreiche und nicht zuletzt humoristische Weise. Die mit dem deutschen Kindertheaterpreis ausgezeichnete Geschichte, die im Dornbirner Kulturhaus Premiere feierte, spielt im Zweiten Weltkrieg und erzählt vom Grauen des Konzentrationslagers Buchenwald. Nazis ließen am Rande des Lagers zum Vergnügen der SS-Angehörigen und deren Familien einen Zoo errichten.
Die Familie
Pavian, das Mufflonpaar und das Murmeltiermädchen leben ein zufriedenes Leben, bis der Bär, der traurige Neuankömmling, den tierischen Bewohnern einen Strich durch die Rechnung macht und deren Alltag gehörig auf den Kopf stellt. „Das behaarte Monster“, wie ihn die Zoobewohner anfangs nennen, stellt nach dem mysteriösen Tod des Nashorns als neuer Mitbewohner Fragen, die er besser nicht stellen sollte. Er möchte wissen, was sich auf der anderen Seite des Zauns verbirgt, was die gestreiften Zebrawesen dort drüben machen und was es mit diesem üblen Geruch auf sich hat, der aus dem Schornstein herüberweht. Und dann wären da noch die brutalen „Gestiefelten“, die die Herrschaft über Mensch und Tier haben. Von den Tieren bekommt der Bär jedenfalls keine Antworten. „Schau nicht hin und kümmere dich um deine eigenen Angelegenheiten“, ist die einzige Anweisung, die er bekommt. Also versucht er, der Sache selbst auf den Grund zu gehen. Aber das passt den „Gestiefelten“ und den Tieren gar nicht in den Kram.
Ernstes Stück mit Humor
Auf eindrückliche Weise bringt Autor Jens Raschke Jugendlichen ab zehn Jahren einen brisanten historischen Stoff nahe, in dem er sich aus
Sicht der Zoobewohner mit dem kollektiven Wegschauen befasst. Trotz dieser schwierigen Thematik schafft es Raschke, das Publikum auch mit teils lustigen Szenen zu unterhalten. Vor allem der Bär ist es, der mit seinen trockenen Witzen dem jungen Publikum so manche Lacher entlocken kann. Auch die Murmeltierdame, die immer gut gelaunt an ihrem Lutscher leckt, den sie von den „Gestiefelten“ bekommen hat, steht schnell in der Gunst der Zuschauer. Requisiten braucht das Theaterstück nicht. Von Beginn an reißt die Erzählung eine Flut an Bildern mit sich. Minutenlanger Applaus belohnt am Ende das fesselnde Spiel der vier Darsteller.«
Vorarlberger Nachrichten

»Zootiere und das grauen des Konzentrationslagers
Theater für Kinder ab zehn Jahren, bei dem sich auch Erwachsene Gedanken machen (würden).
Viel Platz steht für den folgenden Artikel leider nicht zur Verfügung. Viel Platz haben auch die Tiere in einem Zoo-Käfig nicht, und die Menschen in einem Konzentrationslager schon gar nicht. Darum geht es in dem Kindertheater-Stück von Jens Raschke, das den Titel „Was das Nashorn sah als es auf die andere Seite des Zauns schaute“.
Es geht tatsächlich um einen Zoo und ein Konzentrationslager.
Was ist zu tun?
Was ist zu tun, wenn man im Zoo eingesperrt ist? Resignieren?, Kuschen?, sich mit seiner Situation abfinden, wie viele Tiere raten?
Und wenn der Zoo, in dem in unserem Fall unter anderen, ein Bär gefangen ist, in oder neben einem Konzentrationslager verortet ist? Was ist dann zu tun? Vielleicht Witze machen, damit das Unerträgliche erträglicher und leichter wird? Etwa den, den der Bär erzählt: „Was ist warm und riecht nach Banane? Affenkotze.“
Der Bär macht sich Gedanken. Er kennt sich nicht mehr aus in der „Welt“, in der er da völlig ungewollt hineingeraten ist. Das Murmeltier meint: „Solange sich die selbst totmachen, kann uns das egal sein.“ „Findest du?“, fragt der Bär, dem das alles nicht egal ist.
Der Bär wird gewarnt, dass sich das Nashorn in Angelegenheiten eingemischt habe, die es nichts angegangen hätten. Auch der Bär will sich einmischen, will nicht Männchen machen für einen Lolli wie das Murmeltier. Der Bär zeigt etwas, das nicht jeder
hat. Er zeigt Haltung. Um ein Zeichen zu setzen, erklettert er den Schornstein des KZ-Krematoriums. Es geht nicht gut aus, der Bär und das Nashorn sind Geschichte. Würde es keine Bären und keine Nashörner geben (Metapher), die auf die andere Seite des Zaunes schauen, dann würden noch mehr Menschen „durch den Schornstein gejagt“ werden.
Dann würden noch mehr ermordet, und es gäbe noch weniger Solidarität und Menschlichkeit. Menschen töten und verfolgen Menschen. Und das nicht selten und an vielen Orten. Gestern wie heute. Insofern sind Charaktere wie der Bär und das Nashorn wichtig, und Leute die sie auf die Bühne bringen, natürlich auch.
Am Ende des Stückes „Was das Nashorn sah, als es auf die andere Seite des Zauns schaute“, bekommen die jungen
Besucher eine Karte in die Hand gedrückt. Vorne ist ein Bär auf einem Baum zu sehen. Darunter steht: „Alle Menschen sind frei und gleich an Würde und Rechten geboren.“ Hinten steht: „Vergiss uns nicht!“
Das Stück hat den Kindern bei der Premiere offensichtlich gefallen. Es ist stellenweise lustig und mit Worten phantasievoll. Das Stück ist eine Koproduktion des Vorarlberger Landestheaters und „Follow the Rabbit“. Die Schauspieler spielen toll, der Regisseur Martin Brachvogel hat sehenswert inszeniert.
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Robert F. Weber,
Neue Vorarlberger Tageszeitung

Was das Nashorn sah... ab 10 Jahren
Fotos: Bernhard Bauer